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21. Mar 2020 15:24
Tags: dax-corona-neoliberalismus-kapitalismus Frankfurter Börse s. comment neoliberalism = capitalism tl;dr ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha ha corona-krise kapitalismus krise coronavirus globalisierung climate catastrophe #wir werden fast alle sterben aaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhh ‘Coronavirus is nothing compared to the climate crisis’ rezession mik mic micc
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3 Comments:

micc 1 week ago
"Corona-Dämmerung für Neoliberalismus
Ende einer Theorie

Die Pandemie zeigt: Den Neoliberalismus kann man getrost beerdigen. Nur
der Staat kann den Kapitalismus retten.

Die Coronakrise hat auch ihre Vorteile. Sie dürfte die neoliberale
Ideologie beerdigen, die die westliche Welt seit 1980 dominiert hat.
Zwei Spitzenpolitiker brachten einst plastisch auf den Punkt, wie platt
Marktradikale denken. Die britische Premierministerin Margaret Thatcher
ließ wissen: „Es gibt keine Gesellschaft.“ In ihrem Weltbild
existierten nur Individuen, die ausschließlich für sich selbst sorgen
sollten.

Auch US-Präsident Ronald Reagan hinterließ einen Spruch, der das
neoliberale Denken treffend zusammenfasst: „Die Regierung ist nicht
die Lösung unseres Problems, die Regierung ist das Problem.“ Der
Staat sollte schrumpfen, auf dass der freie Markt übernimmt. Also
wurden die Rentenkassen privatisiert, die Finanzmärkte dereguliert,
Staatsvermögen verkauft und die Steuern für die Reichen gesenkt. Auch
in Deutschland wurden diese Konzepte kopiert.

Die Coronakrise zeigt nun, dass der „freie Markt“ eine Fiktion ist.
Märkte können nur existieren, wenn der Staat sie stützt. Die Talfahrt
des Aktienindex DAX ist ein Lehrstück: In knapp einem Monat fielen die
deutschen Börsenkurse um fast 40 Prozent – noch nie war ein Absturz
so dramatisch. Der Wertverlust wäre sogar noch drastischer ausgefallen,
wenn der Staat nicht eingegriffen hätte

Der DAX hat sich nur deshalb auf niedrigem Niveau stabilisiert, weil die
Europäische Zentralbank (EZB) Banken und Wirtschaft mit Milliarden Euro
flutet und die deutsche Regierung flankierende Maßnahmen ergreift. Sie
hat das Kurzarbeitergeld aufgestockt, wird die Solo-Selbstständigen
unterstützen und sich an schlingernden Großkonzernen wie der Lufthansa
beteiligen.

Die „Märkte“ versagen, weil sie nur funktionieren könnten, wenn
sich die Zukunft verlässlich berechnen ließe. Aktienkurse preisen die
Gewinne von morgen ein. Doch wie spätestens in Krisenzeiten auffällt,
ist die Zukunft prinzipiell nicht planbar. Daher gibt es keine
Alternative zur Solidarität. Also zum Staat.

Nur ein Beispiel: Private Altersvorsorge ist reiner Mumpitz. Riester-
und Rürup-Renten wurden einst eingeführt, auf dass der Einzelne
„individuell“ für sein Alter spare. Ganz staatsfern sollten diese
Programme sein, was schon deshalb lachhaft war, weil der Staat
Milliarden an Subventionen zahlte, damit die Renditen der
Riester-Verträge überhaupt attraktiv aussahen. Wie die Coronakrise
jetzt zeigt, hätten diese Aktiensparpläne sogar gänzlich an Wert
verloren, wenn der Staat nicht „unbegrenzte“ Geldmengen in die
Wirtschaft pumpen würde. Aktien haben ja keinen Wert „an sich“ –
die Kurse sind nur leidlich stabil, wenn der Staat als Garant
dahintersteht.

Die Erzählung vom unabhängigen Individuum hatte für viele ihren Reiz.
Sie klang wie das Paradies: jeder Erdenbürger eine eigene Insel, auf
der lästige Nachbarn nichts zu suchen haben. Doch die Wahrheit ist,
dass man seinen Mitbürgern nicht entkommen kann. Den reinen
„Markt“, von dem die Neoliberalen fabulieren, gibt es nicht. Der
Kapitalismus funktioniert nur, wenn er von einem starken Staat
unterstützt, gebändigt und gerettet wird.

Diese Lehre hätte man schon nach der Finanzkrise 2008 ziehen können,
doch damals ist es den Neoliberalen noch einmal gelungen, ihre platte
Theorie zu retten. In einer atemberaubenden Volte wurde einfach so
getan, als hätten sich die Staaten hemmungslos verschuldet – obwohl
in Wahrheit die Banken faule Kredite vergeben hatten. Erst als die
Institute gerettet werden mussten, landeten diese Schulden dann beim
Staat. Doch diese Ursachenkette ging bald verloren, es zählte nur das
Ergebnis: Die Verschuldung der Staaten stieg, also musste es sich um
eine „Staatsschuldenkrise“ handeln.

Die neoliberale Mär zog, weil die Finanzkrise kompliziert war. Das ist
bei Corona anders. Für alle ist offensichtlich, dass der „Markt“
nicht die ökonomischen Folgen eines Virus abwehren kann. Deswegen ruft
ja jeder nach dem Staat."


Kommentar von
Ulrike Herrmann
Wirtschaftsredakteurin
taz