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17. Mar 2020 18:01
Tags: e.flake cartoon home office email coronavirus Ab 1903 bezog Hitler eine Halbwaisenrente, ab 1905 erhielt er zudem Finanzhilfen von seiner Mutter und von seiner Tante Johanna. Anfang 1907 erkrankte seine Mutter an Brustkrebs; der jüdische Hausarzt Eduard Bloch pflegte sie. Hitler soll auf einer schmerzhaften Therapieform bestanden haben, die ihren Tod beschleunigte.[18] Seit 1906 wollte Hitler Kunstmaler werden. Er sah sich zeitlebens als verkannter Künstler.[19] Im Oktober 1907 bewarb er sich erfolglos für ein Kunststudium an der Allgemeinen Malerschule der Wiener Kunstakademie. Er blieb zunächst in Wien, kehrte aber nach Linz zurück, als er am 24. Oktober erfuhr, dass seine Mutter nur noch wenige Wochen zu leben habe. Nach Aussage Blochs und Hitlers Schwester versorgte er den elterlichen Haushalt bis zum Tod der Mutter am 21. Dezember 1907 und sorgte für ihr Begräbnis zwei Tage darauf. Er bedankte sich dabei bei Bloch, schenkte ihm einige seiner Bilder und schützte ihn 1938 vor der Festnahme durch die Gestapo.[20] Indem er sich als Kunststudent ausgab, erhielt Hitler von Januar 1908 bis 1913 eine Waisenrente von 25 Kronen monatlich, sowie das Erbe seiner Mutter von höchstens 1000 Kronen.[21] Davon konnte er etwa ein Jahr in Wien leben.[22] Sein Vormund Josef Mayrhofer drängte ihn mehrmals vergeblich, zugunsten seiner minderjährigen Schwester Paula auf seinen Rentenanteil zu verzichten und eine Lehre zu beginnen. Hitler weigerte sich und brach den Kontakt ab. Er verachtete einen „Brotberuf“ und wollte in Wien Künstler werden. Im Februar 1908 ließ er eine Einladung des renommierten Bühnenbildners Alfred Roller ungenutzt, der ihm eine Ausbildung angeboten hatte. Als ihm das Geld ausging, besorgte er sich im August einen Kredit seiner Tante Johanna von 924 Kronen. Bei der zweiten Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie im September wurde er nicht mehr zum Probezeichnen zugelassen. Er verschwieg seinen Verwandten diesen Misserfolg und seinen Wohnsitz, um seine Waisenrente weiter zu erhalten.[23] Deshalb gab er sich bei Wohnungswechseln als „akademischer Maler“ oder „Schriftsteller“ aus. Ihm drohte die Einziehung zum Wehrdienst in der österreichischen Armee.[24] Nach August Kubizek, der sich mit ihm 1908 und 1909 ein Zimmer teilte, interessierte sich Hitler damals mehr für Wagneropern als für Politik. Nach seinem Auszug im Juli 1909 mietete er in kurzen Zeitabständen immer weiter von der Innenstadt entfernte Zimmer an, offenbar weil seine Geldnot wuchs. Im Herbst 1909 bezog er für drei Wochen ein Zimmer in der Sechshauser Straße 58 in Wien; danach war er drei Monate lang nicht behördlich angemeldet. Aus seiner Aussage in einer Strafanzeige ist ersichtlich, dass er ein Obdachlosenasyl in Meidling bewohnte.[25] Anfang 1910 zog Hitler in das Männerwohnheim Meldemannstraße. 1938 ließ er alle Akten über seine Aufenthaltsorte in Wien beschlagnahmen und gab ein Haus in einem gehobenen Wohnviertel als seine Studentenwohnung aus.[26] Ab 1910 verdiente sich Hitler Geld durch nachgezeichnete oder als Aquarelle kopierte Motive von Wiener Ansichtskarten. Diese verkaufte sein Mitbewohner Reinhold Hanisch bis Juli 1910 für ihn, danach der jüdische Mitbewohner Siegfried Löffner. Dieser zeigte Hanisch im August 1910 wegen der angeblichen Unterschlagung eines Hitlerbildes bei der Wiener Polizei an. Hanisch wurde wegen einer Meldung in Wien unter falschem Namen zu sieben Tagen Gefängnis verurteilt. Der Maler Karl Leidenroth zeigte Hitler, wahrscheinlich im Auftrag Hanischs, wegen des unberechtigten Führens des Titels eines „akademischen Malers“ anonym an und erreichte, dass die Polizei ihm diesen Titel untersagte.[27] Daraufhin ließ Hitler seine Bilder von dem Männerheimbewohner Josef Neumann sowie den Händlern Jakob Altenberg und Samuel Morgenstern verkaufen. Alle drei waren jüdischer Herkunft. Der Mitbewohner im Männerwohnheim Karl Honisch schrieb später, Hitler sei damals „schmächtig, schlecht genährt, hohlwangig mit dunklen Haaren, die ihm ins Gesicht schlugen“, und „schäbig gekleidet“ gewesen, habe jeden Tag in derselben Ecke des Schreibzimmers gesessen und Bilder gezeichnet oder gemalt.[28] In Wien las Hitler Zeitungen und in hoher Auflage verbreitete Schriften von Alldeutschen, Deutschnationalen und Antisemiten, darunter möglicherweise die Schrift Der Unbesiegbare von Guido von List. Diese schildert das Wunschbild eines vom „Schicksal“ bestimmten, unfehlbaren germanischen Heldenfürsten, der die Germanen vor dem Untergang retten und zur Weltherrschaft führen werde. Dieser Einfluss könnte Hitlers später beanspruchte Auserwähltheit und Unfehlbarkeit, die ihn keine Irrtümer zugeben ließen, mit erklären.[29] Er las womöglich auch die Zeitschrift Ostara, die der List-Schüler Jörg Lanz von Liebenfels herausgab,[30] und die von Eduard Pichl verfasste Biografie Georg von Schönerers (1912). Dieser hatte seit 1882 die „Entjudung“ und „Rassentrennung“ per Gesetz gefordert, einen Arierparagraphen für seine Partei eingeführt, ein völkisch-rassistisches Deutschtum gegen den Multikulturalismus der Habsburger Monarchie und als Ersatzreligion für das katholische Christentum vertreten („Los von Rom!“). Hitler hörte Reden seines Anhängers, des Arbeiterführers Franz Stein, und seines Konkurrenten, des Reichsratsabgeordneten Karl Hermann Wolf. Beide bekämpften die „verjudete“ Sozialdemokratie, tschechische Nationalisten und Slawen. Stein strebte eine deutsche Volksgemeinschaft als Aufhebung von Klassenkampf an; Wolf strebte ein Großösterreich an und gründete 1903 die Deutsche Arbeiterpartei (Österreich-Ungarn) (DAP) mit. Hitler hörte und bewunderte auch den populären Wiener Bürgermeister Karl Lueger, der die Christlichsoziale Partei (Österreich) gegründet hatte, für Wiens „Germanisierung“ eintrat und als antisemitischer und antisozialdemokratischer „Volkstribun“ massenwirksame Reden hielt. Hitler diskutierte 1910 nach Aussagen seiner Mitbewohner im Männerwohnheim über politische Folgen von Luegers Tod, lehnte einen Parteieintritt ab und befürwortete eine neue, nationalistische Sammlungsbewegung.[31] Wieweit diese Einflüsse ihn prägten, ist ungewiss. Damals sei, so Hans Mommsen, sein Hass auf die Sozialdemokraten, die Habsburgermonarchie und die Tschechen vorherrschend gewesen.[32] Bis Sommer 1919 sind keine antisemitischen, aber einige hochschätzende Aussagen Hitlers über Juden überliefert. Erst ab Herbst 1919 griff er auf antisemitische Klischees zurück, die er in Wien kennengelernt hatte; erst ab 1923 stellte er Schönerer, Wolf und Lueger als seine Vorbilder dar.[33] Im Mai 1913 erhielt Hitler das Erbe des Vaters (etwa 820 Kronen), zog nach München und mietete in der Schleißheimer Straße 34 (Maxvorstadt) ein anfangs mit Rudolf Häusler geteiltes Zimmer. Er las unter anderem die rassistischen Schriften Houston Stewart Chamberlains, malte weiterhin Bilder, meist nach Fotografien wichtiger Gebäude, und verkaufte sie an eine Münchner Kunsthandlung. Er behauptete später, er habe sich nach einer „deutschen Stadt“ gesehnt und sich zum „Architektur-Maler“ ausbilden lassen wollen. Tatsächlich wollte er dem Wehrdienst in Österreich entgehen. Nachdem die Münchner Kriminalpolizei ihn am 18. Januar 1914 aufgegriffen und beim österreichischen Konsulat vorgeführt hatte, wurde er am 5. Februar 1914 in Salzburg gemustert, aber als waffenunfähig beurteilt und vom Wehrdienst zurückgestellt.[34] Liebesbeziehungen Hitlers zwischen 1903 und 1914 sind unbekannt. Kubizek und Hanisch zufolge äußerte er sich in Wien verächtlich über weibliche Sexualität und floh vor Annäherungsversuchen von Frauen. Er verehrte zwar 1906 eine Linzer Schülerin, Stefanie Rabatsch, aber ohne Kontaktaufnahme. Später bezeichnete er eine Emilie, wohl die Schwester Häuslers, als seine „erste Geliebte“. Auch dies stuft Brigitte Hamann als Wunschdenken ein. Hitler soll schon 1908 wie die Alldeutschen ein Verbot der Prostitution und sexuelle Askese für junge Erwachsene gefordert und letztere aus Angst vor einer Infektion mit Syphilis selbst geübt haben.[35] Soldat im Ersten Weltkrieg Hitler (ganz rechts) als Soldat im Jahr 1915 Wie viele andere begrüßte Hitler im August 1914 begeistert den Beginn des Ersten Weltkriegs. Er trat am 16. August 1914 als Kriegsfreiwilliger in die Bayerische Armee ein, wurde am 8. Oktober 1914 auf den König von Bayern und anschließend auf den Kaiser von Österreich, Franz Joseph, vereidigt und dem Reserve-Infanterie-Regiment 16 zugeteilt. Er nahm Ende Oktober 1914 an der ersten Flandernschlacht teil, wurde daraufhin zum 1. November 1914 zum Gefreiten befördert und am 2. Dezember 1914 aus unbekannten Detailgründen mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.[36] Ab dem 9. November 1914 bis zum Ende des Krieges diente Hitler als Ordonnanz und Meldegänger zwischen Regimentsstab und Bataillonsstäben mit 1,5 bis 5 Kilometer Abstand zur Hauptkampflinie der Westfront.[37] Vom März 1915 bis September 1916 wurde er im Sektor Aubers-Fromelles (Kanton La Bassée) und in der Schlacht von Fromelles (19./20. Juli 1916) eingesetzt.[38] In der Schlacht an der Somme wurde Hitler am 5. Oktober 1916 bei le Barqué (Ligny-Thilloy) von einer Granatenexplosion am linken Oberschenkel verwundet[39] und bis zum 4. Dezember im Vereinslazarett Beelitz gesund gepflegt. Dort wollte er das Verfliegen der Kriegsbegeisterung von 1914 in Deutschland erstmals bemerkt haben; bei seinem Pflegeaufenthalt in München habe er die Stadt kaum wiedererkannt.[40] Am 5. März 1917 kehrte Hitler zu seiner inzwischen nach Vimy verlegten alten Einheit zurück. Im Frühjahr nahm er mit dieser an der Schlacht von Arras, im Sommer an der Dritten Flandernschlacht, ab Ende März 1918 an der deutschen Frühjahrsoffensive und an der kriegsentscheidenden zweiten Schlacht an der Marne teil.[41] Im Mai 1918 erhielt er ein Regimentsdiplom für hervorragende Tapferkeit und das Verwundetenabzeichen in Schwarz. Am 4. August erhielt er das Eiserne Kreuz I. Klasse für einen Meldegang an die Front nach dem Ausfall aller Telefonleitungen. Der Regimentsadjutant Hugo Gutmann, ein Jude, hatte ihm dafür diese Auszeichnung versprochen; der Divisionskommandeur genehmigte sie erst nach zwei Wochen.[42] Hitler verhielt sich laut Zeitzeugen unterwürfig gegenüber Offizieren. „Den Vorgesetzten achten, niemandem widersprechen, blindlings sich fügen“, gab er 1924 vor Gericht als seine Maxime an. Er klagte nie über schlechte Behandlung als Soldat und sonderte sich damit von seinen Kameraden ab. Darum beschimpften sie ihn als „weißen Raben“.[43] Nach ihren Aussagen rauchte und trank er nicht, redete nie über Freunde und Familie, war nicht an Bordellbesuchen interessiert und saß oft stundenlang lesend, nachdenkend oder malend in einer Ecke des Unterstands.[44] Spätere Aussagen von Kriegskameraden, die Hitler für Kameradschaft, Tapferkeit und Einsatz lobten, gelten als unglaubwürdig, da die NSDAP sie dafür mit Funktionärsposten und Geld belohnte.[44] Die Nationalsozialisten Fritz Wiedemann und Max Amann behaupteten nach 1933, Hitler selbst habe eine militärische Beförderung, für die er als mehrfach verwundeter Träger des Eisernen Kreuzes beider Klassen in Frage gekommen wäre, abgelehnt.[45] Am 15. Oktober 1918 wurde Hitler bei Wervik in Flandern von Senfgas getroffen und erblindete vorübergehend. Der blinde Verwundete wurde im Reservelazarett von Pasewalk jedoch in der psychiatrischen Abteilung behandelt und seine zeitweilige Erblindung war, wie Thomas Weber schrieb,[46] die psychosomatische Folge einer Psychopathie mit hysterischen Symptomen, kurz Kriegshysterie genannt. Während seines Lazarettaufenthalts vom 21. Oktober bis zum 19. November erfuhr er am 10. November von der Novemberrevolution und den Waffenstillstandsverhandlungen von Compiègne. Er bezeichnete die Ereignisse 1925 im Sinne der Dolchstoßlegende als „größte Schandtat des Jahrhunderts“ und behauptete, damals habe er beschlossen, Politiker zu werden.[47] Dies gilt als Legendenbildung, da Hitler damals nahezu mittel- und perspektivlos und ohne Kontakte zu Politikern war und sich vor 1923 nie zu diesem angeblichen Entschluss äußerte.[48] Nach Hitlers Feldpostbriefen missbilligte er den spontanen Weihnachtsfrieden 1914. Am 5. Februar 1915 schilderte er die Kampfhandlungen detailliert und äußerte zum Schluss, er hoffe auf die endgültige Abrechnung mit den Feinden im Inneren.[49] 1941 stellte er deutsche Kriegsverbrechen im besetzten Belgien wie Brandschatzung und Massenerschießungen zur Vergeltung von Sabotage als vorbildliche Herrschaftsmethode dar.[50] Sebastian Haffner nannte Hitlers Fronterfahrung sein „einziges Bildungserlebnis“.[51] Ian Kershaw urteilte: „Der Krieg und die Folgen haben Hitler geschaffen.“[52] Da Hitler sich 1914 erstmals in seinem Leben ganz einer Sache hingegeben habe, dem Krieg, hätten sich seine schon mitgebrachten Vorurteile und Phobien in der Erbitterung über die Kriegsniederlage ab 1916 entscheidend verstärkt.[53] Dass der Erste Weltkrieg indes nicht als Schlüsselerlebnis für Hitlers späteres politisches Wirken und das vieler seiner Zeitgenossen angesehen werden darf, stellte Thomas Weber heraus, der Hitlers Regiment und seine Kriegszeit einer eingehenden Analyse unterzog. Demnach waren „Hitlers Zukunft und seine politische Identität […] noch vollkommen offen und formbar, als er aus dem Krieg zurückkehrte.“ Es seien auch nicht allein die Erfahrungen mit der Münchner Räterepublik als solche gewesen, die zu seiner Radikalisierung beigetragen hätten, sondern vielmehr die politische Entwicklung der Personen in seiner nächsten Umgebung und die Bedingungen der Nachkriegszeit in Bayern.[54] Politischer Aufstieg (1919–1933) Propagandaredner der Reichswehr Am 21. November 1918 kehrte Hitler aus Pasewalk nach München in die Oberwiesenfeldkaserne des 2. bayerischen Infanterieregiments zurück. Um der allgemeinen Demobilisierung zu entgehen, blieb er bis zum 31. März 1920 in der Reichswehr. In dieser Zeit formte er sein politisches Weltbild, entdeckte und erprobte sein demagogisches Redetalent.[55] Vom 4. Dezember 1918 bis 25. Januar 1919 bewachte Hitler mit 15 Kameraden etwa 1000 französische und russische Kriegsgefangene in einem von Soldatenräten geleiteten Lager in Traunstein. Am 12. Februar wurde er nach München in die 2. Demobilmachungskompanie versetzt und ließ sich am 15. Februar zu einem der Vertrauensmänner seines Regiments wählen. Als solcher arbeitete er mit der Propagandaabteilung der neuen bayerischen Staatsregierung unter Kurt Eisner (USPD) zusammen und sollte seine Kameraden in Demokratie schulen. Am 16. Februar nahm er daher mit seinem Regiment an einer Demonstration des „Revolutionären Arbeiterrates“ in München teil. Am 26. Februar 1919 begleitete Hitler als stiller Beobachter den Trauerzug für den fünf Tage zuvor ermordeten Eisner.[56] Am 15. April ließ er sich zum Ersatzbataillonsrat der Soldatenräte der Münchner Räterepublik wählen, die am 7. April ausgerufen und am 13. April als „kommunistische Räterepublik“ proklamiert worden war. Nach deren gewaltsamer Niederschlagung im Mai 1919 denunzierte Hitler andere Vertrauensleute aus dem Bataillonsrat vor einem Standgericht der Münchner Reichswehrverwaltung als „ärgste und radikalste Hetzer […] für die Räterepublik“, trug damit zu ihrer Verurteilung bei und erkaufte sich das Wohlwollen der neuen Machthaber. Später verschwieg er seine vorherige Zusammenarbeit mit den sozialistischen Soldatenräten.[57] Diese wird meist als Opportunismus oder als Beleg dafür gewertet, dass Hitler bis dahin kein ausgeprägter Antisemit gewesen sein könne.[58] Im Mai 1919 traf Hitler erstmals den Leiter der „Aufklärungsabteilung“ im Reichswehrgruppenkommando 4, Hauptmann Karl Mayr. Hitler wurde als „V-Mann“ der Aufklärungsabteilung übernommen und nahm vom 5. bis 12. Juni sowie vom 26. Juni bis 5. Juli 1919 auf Empfehlung des 2. Infanterieregiments an „antibolschewistischen Aufklärungskursen“ an der Universität München für „Propaganda bei der Truppe“ teil.[59] Damit erhielt er erstmals eine politische Schulung durch deutschnationale, alldeutsche und antisemitische Akademiker, darunter Karl Alexander von Müller, der Hitlers Talent als Redner entdeckte, und Gottfried Feder. Dieser soll ihn laut Mein Kampf damals „zur Gründung einer neuen Partei“ angeregt haben.[60] Am 22. Juli wurde Hitler zu einem „Aufklärungskommando“ von 26 ausgewählten Ausbildern der Münchner Garnison abgeordnet, die angeblich von Bolschewismus und Spartakismus „verseuchte“ Soldaten im Reichswehr-Lager Lechfeld, darunter viele ehemalige Kriegsgefangene, propagandistisch umerziehen sollten. In dem Kurs dazu vom 20. bis 24. August trat Hitler als Redner hervor, der auch mit antisemitischen Äußerungen starke Emotionen wecken konnte.[61] Er stieg anschließend zur „rechten Hand“ Mayrs auf und wurde durch ihn vermutlich im Herbst 1919 auf einer Versammlung der geheimen rechtsradikalen Offiziersverbindung „Eiserne Faust“ deren Mitbegründer Ernst Röhm vorgestellt.[62] Zu den Aufgaben von Mayrs V-Leuten gehörte die Überwachung politischer Parteien und Gruppen in München. In dieser Funktion nahm Hitler am 12. September 1919 erstmals an einer Versammlung der Deutschen Arbeiterpartei im Sterneckerbräu teil. Der Parteivorsitzende Anton Drexler lud ihn wegen seiner Redegewandtheit – er widersprach vehement der von einem Diskussionsteilnehmer geforderten Trennung Bayerns vom Reich – direkt zum Parteieintritt ein.[63] Am 16. September verfasste Hitler in Mayrs Auftrag für Adolf Gemlich, einen Teilnehmer der Lechfelder „Aufklärungskurse“, ein „Gutachten zum Antisemitismus“. Darin betonte er, das Judentum sei eine Rasse, keine Religion. „Dem Juden“ seien „Religion, Sozialismus, Demokratie […] nur Mittel zum Zweck, Geld- und Herrschgier zu befriedigen. Sein Wirken wird in seinen Folgen zur Rassentuberkulose der Völker.“ Daher müsse der „Antisemitismus der Vernunft“ seine Vorrechte planmäßig und gesetzmäßig bekämpfen und beseitigen. „Sein letztes Ziel aber muss unverrückbar die Entfernung der Juden überhaupt sein. Zu beidem ist nur fähig eine Regierung nationaler Kraft […] nur durch rücksichtslosen Einsatz national gesinnter Führerpersönlichkeiten mit innerlichem Verantwortungsgefühl.“ Mayr stimmte Hitlers Ausführungen weitgehend zu.[64] Aufstieg zum Führer der NSDAP Hitlers Mitgliedskarte der DAP Hitler erbat am 4. Oktober 1919 Mayrs Erlaubnis, der DAP beizutreten, beantragte am 19. Oktober die Aufnahme[65] und wurde als 55. (nicht wie von ihm stets behauptet siebentes) Mitglied aufgenommen.[66] Ab Herbst 1919 beeinflusste der antisemitische Schriftsteller Dietrich Eckart Hitlers Denken, verschaffte ihm Kontakte zum Münchner Bürgertum sowie wichtigen Geldgebern, förderte ihn als rechtsradikalen Agitator bei sozialen Unterschichten und propagierte ihn ab März 1921 als künftigen charismatischen „Führer“ und Retter der deutschen Nation.[67] Von ihm übernahm Hitler bis 1923 die Verschwörungstheorie eines angeblichen Weltjudentums, das sowohl hinter der US-amerikanischen Hochfinanz als auch dem „Bolschewismus“ stecke.[68] 1920 wurde Hitler „Werbeobmann“ für die DAP. Am 24. Februar benannte sie sich in „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ um. Hitler trug deren von ihm, Anton Drexler und Gottfried Feder gemeinsam verfasstes 25-Punkte-Programm vor.[69] Als er im März aus der Reichswehr entlassen wurde, konnte er von seinen Honoraren als Parteiredner leben und erreichte im Jahresverlauf pro Auftritt schon 1200 bis 2500 Zuhörer. So warb er erfolgreich neue Mitglieder für die NSDAP an, der andere rechtsradikale Gruppen wie der Deutschvölkische Schutz- und Trutzbund und die im April gegründete, der Thule-Gesellschaft nahestehende Deutschsozialistische Partei (DSP) damals noch starke Konkurrenz machten.[70] Er hielt Drexler von einer Fusion der NSDAP mit der DSP ab, setzte aber bei einem Treffen in Salzburg am 7./8. August ein Bündnis mit der böhmisch-österreichischen DNSAP durch, um den alldeutschen Anspruch seiner Partei zu unterstreichen. In einer Grundsatzrede vom 13. August 1920 („Warum sind wir Antisemiten?“) erklärte Hitler erstmals ausführlicher seine Ideologie: Alle Juden seien auf Grund ihres angeblich unveränderlichen Rassencharakters unfähig zu konstruktiver Arbeit. Sie seien wesenhaft Parasiten und würden durch viele angebliche Maßnahmen wie Rassenmischung, Volksverdummung durch Kunst und Presse, Förderung des Klassenkampfes bis hin zum Mädchenhandel alles zum Erlangen ihrer Weltherrschaft tun.[71] Damit machte er den rassistischen Antisemitismus zum Hauptmerkmal der NSDAP-Programmatik. Mit einem langen Regenmantel über dem Anzug, einem „Gangsterhut“, einem auffällig sichtbaren Revolver und einer Reitpeitsche zog Hitler die Aufmerksamkeit bei Münchner Empfängen auf sich. Anhänger beschrieben ihn als „grandiosen Volksredner“, der „äußerlich irgendwie zwischen Unteroffizier und Handlungsgehilfen, mit gezierter Unbeholfenheit und zugleich so viel Redegewalt […] vor einem Massenpublikum“ auftrat.[72] Hitler wirkte an der Umwandlung der Sturmabteilung (SA) der NSDAP von einer „Saalschutztruppe“ in eine paramilitärisch geordnete Schläger- und Einschüchterungstruppe mit.[73] Er entwarf Hakenkreuzfahnen und Standarten für die Machtdemonstrationen der SA in Stadt und Land.[74] Hitler wurde als Agitator für die im Reich noch kaum beachtete NSDAP unersetzlich. Als Drexler und andere ohne ihn mit der DSP verhandelten, trat er am 11. Juli 1921 demonstrativ aus der Partei aus. Für seinen Wiedereintritt verlangte er vom Parteivorstand ultimativ seine Wahl zum „ersten Vorsitzenden der Partei mit diktatorischen Vollmachten“, der allein über Zusammenschlüsse, Namens- und Programmänderungen entscheiden dürfe. Indem Drexler das akzeptierte, entmachtete er sich selbst. Hitler schloss nach seinem Wiedereintritt am 20. Juli Karl Harrer und weitere Gegner aus der Partei aus.[75] Hitler war nun ein lokaler Parteiführer, den viele Nationalisten, Demokratiegegner und Militaristen unter Intellektuellen, in der Regierung und Verwaltung Bayerns unterstützten.[76] Um seinen Einfluss auszudehnen, hielt er seit 1920 einige Reden vor dem Berliner Nationalklub und in der Republik Österreich.[77] Einzelne damalige britische und US-amerikanische Presseartikel schätzten ihn als „potentiell gefährlich“[78], als Vertreter einer „Armee der Rache“[79] oder als „deutschen Mussolini“ ein.[80] Als solchen ließ Hitler sich am 3. November 1922, nur drei Tage nach Mussolinis erfolgreichem Marsch auf Rom, von seinem Parteifreund Hermann Esser in München ausrufen.[81] Putschversuch Hitler, rechts neben Erich Ludendorff (Bildmitte), mit weiteren Teilnehmern des Hitler-Ludendorff-Putsches (1924) → Hauptartikel: Hitlerputsch Nach dem gescheiterten Kapp-Putsch 1920 und der Auflösung der Freikorps im selben Jahr organisierten sich die militanten Rechtsextremen in bewaffneten „Einwohnerwehren“ und „vaterländische Verbänden“. Ihr Ziel war der Sturz der Weimarer Republik. Einige schreckten dabei auch vor politischen Morden nicht zurück.[82] Als es der Reichswehrführung in Bayern im Zuge des Kapp-Putsches gelang, die Koalitionsregierung Hoffmann zum Rücktritt zu zwingen, schlug die neue Regierung unter Eugen von Knilling einen Rechtskurs ein, um aus Bayern die „Ordnungszelle“ des Reiches zu machen. In der Folge fanden viele militante Rechtsextreme wie etwa Hermann Ehrhardt in Bayern Unterstützung und Unterschlupf.[83] Nach der von den Alliierten 1921 erzwungenen Auflösung der bayerischen Einwohnerwehren betraute die bayerische Staatsregierung Otto Pittinger mit der geheimen Fortführung der Wehrarbeit. Im August 1922 plante Pittinger gemeinsam mit dem Münchner Polizeipräsidenten Ernst Pöhner und Röhm einen Putsch, über den auch Hitler informiert war. Ausgangspunkt sollte eine geplante Massenkundgebung der vaterländischen Verbände gegen das Republikschutzgesetz am 25. August werden. Die Kundgebung wurde jedoch kurzfristig verboten, sodass sich letztlich nur einige Tausend Nationalsozialisten versammelten. Hitler, heißt es, soll über den Ablauf vor Wut geschäumt und angekündigt haben, beim nächsten Mal werde er handeln.[84] Pittingers Versuche zur Einigung der Wehrbewegung stießen zunehmend auf den Widerstand der radikalen Kräfte um Ernst Röhm und Ex-General Erich Ludendorff, die Pittingers monarchistisch-föderalistischen Kurs ablehnten. Zwar wurde am 9. November 1922 noch die Vereinigung vaterländischer Verbände in Bayern gegründet, der sich zunächst auch die NSDAP anschloss. Aber die radikaleren Verbände wie der Bund Oberland und der Bund Wiking verweigerten sich.[85] Die Spannungen kulminierten während der Ruhrbesetzung in der von Ernst Röhm im Februar 1923 initiierten Gründung der Arbeitsgemeinschaft der vaterländischen Kampfverbände, der sich nun auch die NSDAP bzw. SA anschloss.[86] Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft übte Hitler maßgeblichen Einfluss aus. Als Ziele der Wehrbewegung definierte er: „1. Erringung der politischen Macht, 2. Brutale Säuberung des Vaterlands von seinen Feinden im Innern, 3. Erziehung der Nation, geistig dem Willen nach, technisch durch Ausbildung für den Tag, der dem Vaterlande die Freiheit gibt, die Periode des Novemberverrats beendet und unseren Söhnen und Enkeln wieder ein deutsches Reich überläßt. […]“ Er war es auch, der die Arbeitsgemeinschaft die bayerische Staatsregierung im April 1923 ultimativ auffordern ließ, Haftbefehle gegen „vaterländisch gesinnte Männer Bayerns ein für allemal“ abzulehnen, nachdem mehrere völkische Politiker, darunter auch er selbst, wegen Verstößen gegen das Republikschutzgesetz Vorladungen nach Leipzig erhalten hatten. Hitlers Einfluss stieg, als er die SA aus ihrer Verbindung mit der Organisation Hermann Ehrhardts löste. Hitler forderte auch als erster die Durchführung einer „nationalen Maifeier“.[87] Dass es jedoch nicht gelang, die traditionelle, behördlich genehmigte Demonstration der Linksparteien am Ersten Mai 1923 in München zu verhindern, stellte seine Autorität parteiintern in Frage, und er zog sich eine Zeitlang aus der Öffentlichkeit zurück.[88] Beim „Deutschen Tag“ am 1. und 2. September 1923 in Nürnberg vereinigten Hitler, Ludendorff und ihre Anhänger den Bund Oberland mit dem Bund Reichskriegsflagge unter Ernst Röhm und der SA zum „Deutschen Kampfbund“. Das Programm sprach sich für eine „nationale Revolution“ aus, bei der wegen der Erfahrung vom 1. Mai primär darum gehe, von den „polizeilichen Machtmittel des Staates“ Besitz zu ergreifen. Am 25. September übernahm Hitler die politische Führung des Kampfbundes.[89] Finanzielle Unterstützung bezog Hitler nicht zuletzt aus der Schweiz. Bei einem durch Ulrich Wille junior vermittelten Aufenthalt in Zürich im August 1923 redete Hitler vor geladenen Gästen „Zur Lage in Deutschland“. Insgesamt erhielt er zwischen 11.000 und 123.000 Franken an Spenden. Genauere Angaben sind auf der Grundlage der bekannten Quellen – die meisten Zuwendungen dürften bar und ohne Quittung erfolgt sein – ebenso wenig möglich wie eine Einschätzung, inwieweit diese Mittel es der NSDAP überhaupt ermöglichten, ihre Aktivitäten bis zum Novemberputsch aufrecht zu erhalten.[90] Am 26. September ließ der neue Reichskanzler Gustav Stresemann (DVP) den passiven Widerstand gegen die belgisch-französische Ruhrbesetzung abbrechen. Daraufhin rief die Regierung Bayerns dort den Ausnahmezustand nach Artikel 48 aus und übertrug die vollziehende Gewalt im Rang eines „Generalstaatskommissars“ auf Gustav von Kahr. Er sollte offiziell mit seinen „speziellen Beziehungen“ zu bayerischen rechtsradikalen Organisationen und seiner bekannten völkisch-antisemitischen Gesinnung „Dummheiten“ von „irgendeiner Seite“ vorbeugen.[91] Als eine seiner ersten Maßnahmen ließ er ostjüdische Familien aus Bayern ausweisen und ihren Besitz konfiszieren.[92] Der Konflikt zwischen den bayerischen Machthabern und der Reichsregierung eskalierte, als im Völkischen Beobachter ein Artikel mit dem Titel „Die Diktatoren Stresemann – Seeckt“ erschien, in welchem die Reichsregierung scharf angegriffen wurde.[93] Reichswehrminister Otto Geßler, der nach der Verhängung des Ausnahmezustands über das ganze Reich am 27. September die vollziehende Gewalt innehatte, ordnete daraufhin das Verbot des Völkischen Beobachters an. Kahr und der Kommandeur der Reichswehr in Bayern, Otto von Lossow, verweigerten diesen Befehl.[94] Am 29. September verkündete Kahr die Einstellung des Vollzugs des Republikschutzgesetzes in Bayern. Hitler besuchte am 30. September erstmals die Villa Wahnfried. Der „Bayreuther Kreis“ um Cosima Wagner unterstützte seinen Putschplan und seinen Anspruch, der ersehnte nationale „Führer“ zu werden.[95] Hitler versuchte am 7. Oktober vergeblich, Lossow und Seißer zum Eintritt in seinen Kampfbund zu bewegen. Am 20. Oktober setzte Geßler Lossow ab. Kahr ernannte Lossow daraufhin demonstrativ zum „Landeskommandanten“ und ließ die in Bayern stationierte 7. Reichswehrdivision auf Bayern vereidigen. Dieser offene Verfassungsbruch war ein erster Schritt zur Lösung Bayerns vom Reich.[94] Nach dem Austritt der SPD aus dem Kabinett Stresemann am 2. November 1923 forderte Reichspräsident Friedrich Ebert am 3. November analog zur Reichsexekution gegen das von Kommunisten mitregierte Sachsen, Reichswehrtruppen gegen Bayern einzusetzen. Der Chef der Heeresleitung, Hans von Seeckt, lehnte dies ab, da man nicht über ausreichende Kräfte verfüge und Reichswehr nicht gegen Reichswehr marschiere.[96] Seeckt verurteilte zwar den Ungehorsam der bayerischen Reichswehrtruppen, ließ aber Kahr gegenüber durchblicken, dass er vor allem im Interesse der Einheit des Reiches an den verfassungsgemäßen Formen festgehalten habe.[97] Zugleich warnte er Kahr und Lossow, sich nicht zu sehr an den völkischen und nationalen Extremisten zu orientieren.[96] Seeckt stand als möglicher „Notstandskanzler“ zudem selbst im Zentrum diverser Pläne zur Errichtung einer nationalen Diktatur, die sowohl von Vertretern der Schwerindustrie wie Hugo Stinnes favorisiert als auch zeitweise von Politikern wie Ebert und Stresemann erwogen wurde.[98] Auch das „bayerische Triumvirat“ Kahr, Lossow und der Chef der Landespolizei Oberst Hans von Seißer erwog Putschpläne gegen Berlin. In Absprache mit Kontaktleuten in Norddeutschland hofften sie im Oktober 1923, die Reichsregierung durch militärischen Druck dazu zu bringen, ein „nationales Direktorium“ einzusetzen. Lossow sprach bei einem Treffen mit den Führern der paramilitärischen Verbände am 24. Oktober sogar von einem „Marsch auf Berlin“, spielte tatsächlich aber vor allem gegenüber dem Deutschen Kampfbund auf Zeit. Anfang November herrschte indes noch völlige Unklarheit über die etwaige Zusammensetzung des Direktoriums. Während jedoch Kahr als Reichspräsident im Gespräch war, wären Hitler und Ludendorff, die ein Direktorium unter ihrer Führung in München wollten, in jedem Fall nicht daran beteiligt worden. Am 3. November stellte Seeckt freilich gegenüber Seißer fest, nichts gegen die rechtmäßige Regierung unternehmen zu wollen.[99] Nach dem 3. November warnte Kahr alle Führer „vaterländischer Verbände“ vor eigenmächtigen Aktionen und lehnte ein Treffen mit Hitler ab. Dieser fürchtete Kahrs Einigung mit der Reichsregierung und verabredete daher am 7. November mit den anderen Kampfbundführern den baldigen Putsch.[100] Am Abend des 8. November ließ er eine Versammlung von etwa 3000 Anhängern Kahrs im Münchner Bürgerbräukeller von seinem Kampfbund umstellen, verschaffte sich mit Waffengewalt Zutritt, rief die „nationale Revolution“ aus und zwang Kahr, Seißer und Lossow mit vorgehaltener Pistole, einer „provisorischen deutschen Nationalregierung“ unter seiner Führung zuzustimmen. Er ließ alle anwesenden Mitglieder der Landesregierung Bayerns festsetzen und ernannte Ludendorff zum Oberbefehlshaber der Reichswehr. Dieser ließ das Triumvirat frei, das die erpresste Zustimmung einige Stunden später widerrief und die Niederschlagung des Putsches vorzubereiten begann.[101] SA und Bund Oberland nahmen zahlreiche wirkliche oder vermeintliche Münchner Juden, deren Namen und Adressen man aus Telefonbüchern entnommen hatte, als Geiseln fest.[102] Obwohl der Münchner Kompaniechef Eduard Dietl, frühes DAP-Mitglied und Ausbilder der SA, und der Offiziersnachwuchs Befehle verweigerten, gegen die Putschisten vorzugehen,[103] konnten die von Ernst Röhm geführten Kampfbundverbände in der Nacht zum 9. November die meisten Münchner Kasernen, den Bahnhof und wichtige Regierungsgebäude nicht besetzen.[104] Daraufhin versuchten Hitler und Ludendorff mit einem Marsch von bis zu 4000 teilweise bewaffneten NSDAP-Anhängern, doch noch den Umsturz in München zu erzwingen. Die Landespolizei unter Seißer stoppte diesen Marsch nahe der Feldherrnhalle. In einem kurzen Feuergefecht starben 16 Putschisten und vier Polizisten. Der bei einem Sturz verletzte Hitler floh und wurde am 11. November im Haus Ernst Hanfstaengls am Staffelsee verhaftet.[105] Die schon in neun deutschen Ländern verbotene NSDAP wurde nun auch in Bayern und am 23. November reichsweit verboten.[106] Ebert hatte Seeckt trotz dessen Befehlsverweigerung noch am 8. November 1923 den Oberbefehl über die Reichswehr übertragen, damit dieser die bayerische Reichswehr zum Vorgehen gegen die Putschisten bewegen konnte. So bewirkte Hitlers und Ludendorffs Alleingang den Zusammenhalt der 7. Division mit der übrigen Reichswehr, durchkreuzte und diskreditierte die Putschpläne von Kahr und Seeckt. Hitler lernte daraus, dass er die Macht „nicht in totaler Konfrontation mit dem Staatsapparat, sondern nur im kalkulierten Zusammenspiel mit ihm“ erreichen konnte und dazu den „Schein der Legalität“ wahren musste.[107] Der dilettantisch inszenierte, gescheiterte Putschversuch wurde ab 1933 zum Triumph umgedeutet und jährlich als heroische Tat mit dem Gedenken an die „Blutzeugen der Bewegung“ gefeiert. < HILFLOS
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