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micc 1 month ago

"Corona-Krise in Kalifornien
Geschlossene Strände, lautstarker Unmut

Stand: 02.05.2020 08:19 Uhr

Im bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat Kalifornien könnte sich das
Coronavirus besonders schnell ausbreiten - entsprechend streng sind die
Auflagen. Dagegen regt sich zunehmender Protest.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Mit USA-Flaggen in der Hand und in leichter Strandbekleidung
demonstrierten am Freitag tausende Kalifornier, etwa in Hermosa Beach
südlich von Los Angeles, mit der Parole: "Öffnet den Strand!"

"Ich bin 68 Jahre alt und fühle mich sicher am Strand - da ist doch
gute Luft", sagte etwa Demonstrant Robert Zirgulis dem Nachrichtensender
KTLA.

Der Ärger richtet sich vor allem gegen einen Mann: Gouverneur Gavin
Newsom. Der Demokrat hat vergleichsweise früh und streng auf die
Coronavirus-Krise reagiert: Ausgangsbeschränkungen für alle, die nicht
in systemrelevanten Berufen arbeiten. Fabriken wie das Tesla-Werk etwa
wurden auf Druck geschlossen. Parks, Wanderwege und Strände sind fast
überall gesperrt.

Den Kaliforniern, die nach draußen wollen, bleibt so meist nur der
Garten, wenn sie einen haben, oder der Spaziergang durch die
Nachbarschaft.

Orange County will gegen Corona-Auflagen klagen

Bisher scheint die Pandemie in Kalifornien noch glimpflich abzulaufen:
Etwas mehr als 2000 Covid-19-Tote verzeichnet der Bundesstaat bislang.
Viel weniger als beispielsweise New York. Auch die Intensivstationen
sind bislang nicht überlastet.

Am vergangenen Wochenende wagten deshalbb einige Bezirke die vorsichtige
Öffnung ihrer Strände. Zahlreiche Besucher kamen - sehr zum Ärger des
Gouverneurs: "Das Virus nimmt sich nicht an den Wochenende frei, es geht
nicht nach Hause, weil ein sonniger Tag ist", warnte Newsom. "Die
Wahrscheinlichkeit, dass wir in einer virusfreien Welt leben, ist nicht
realistisch in den nächsten Monaten. Es wird dauern, bis wir eine
Herdenimmunität erreichen und ein Impfmittel, das wir ausliefern
können."

Die Konsequenz: Newsom ließ die Strände zum Teil wieder schließen,
Polizei und Küstenwache kontrollieren dies. Der Bezirk Orange County
will dagegen nun rechtlich vorgehen.

Den Demonstranten geht es nicht nur um die Strände als Erholungsgebiet.
Auf Plakaten fordern sie, "Kalifornien zu befreien" und Geschäfte zu
öffnen. "Mein Körper - meine Entscheidung" steht auf dem Plakat eines
Demonstranten, ein Spruch, der eigentlich aus der Frauenrechtsbewegung
stammt. Unter den Demonstranten sind ebenfalls viele Trump-Anhänger,
erkennbar an Kappen, Plakaten und T-Shirts.

Proteste zeigen einmal mehr die Spaltung der USA

Die Proteste verdeutlichen, was sich auch in vielen anderen Teilen der
USA zeigt: Das Land ist gespaltener denn je.

Auf der einen Seite Trump-Anhänger und Befürworter einer breiten
Öffnung des Landes, die unter anderem glauben, die Pandemie sei nicht
so schlimm wie behauptet. Zu ihnen gehört unter anderem Tesla-Chef Elon
Musk, der Newsom vorwarf, dass die Maßnahmen "faschistisch" seien.

Auf der anderen Seite stehen die Mahner, die glauben, dass dies erst der
Anfang sei und Sorge vor einer zweiten, schlimmeren Welle haben.

"Ich verstehe die große Sorge und den finanziellen Druck"

Gouverneur Newsom versuchte zunächst zu beschwichtigen und stellte in
Aussicht, dass es nicht mehr lange dauere, bis auch Kalifornien einen
konkreten Ausstiegsplan vorlegen wird: "Wir sind ganz nah dran an
Ankündigungen, die den Handel und die Gastronomie betreffen. Wir sind
dran mit einem großen Team, um Regeln zu formulieren", sagte er. "Wir
werden auch beachten, dass es für Städte andere Vorgaben geben wird
als für ländliche Regionen. Ich verstehe die große Sorge und den
finanziellen Druck."

Kalifornien treffen die Auswirkungen der Krise besonders hart, denn der
Staat vereint viele große Wirtschaftssektoren.

Trotz all der Proteste scheinen die meisten Kalifornier die
Ausgangsbeschränkungen zu befürworten. Die Umfrage einer unabhängigen
Gesundheitsorganisation Ende April ergab, dass 75 Prozent der
Bevölkerung sogar einer Verlängerung der Beschränkungen zustimmen
würden."