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tOt
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15. Jun 2020 07:02
Tags: Wald climate catastrophe Forst rheinland-pfalz Baum
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tOt 3 weeks ago
"Dass unser Klima im Argen liegt, sieht man bei uns im Westerwald. Hier gibt es kaum noch eine gesunde Fichte – die dritthäufigste Baumart in Rheinland-Pfalz. Die Fichte gehört einfach zum Wester wald dazu – ihr Duft, ihr Holz. Sie prägt hier die Landschaft. Jetzt müssen wir hektarweise vom Borkenkäfer befallene Bäume notfällen, um die gesunden noch zu schützen. Aber wir kommen kaum hinterher. Seit dem Dürre-Jahr 2018 frage ich mich: Ist der Wester-wald bald ohne Wald? Riesige Flächen mussten wir abholzen. Das geht an die Substanz, wenn wir unseren Wald so leiden sehen.“

- Kai-Uwe-Trimpop,Forstwirtschaftsmeister im Forstamt Altenkirchen


"Mehr als 100.000 Bäume sind durch Sturmtief „Eberhard“ im März 2019 über Nacht im Soonwald umgefallen. Das dauert ewig, bis hier neuer Wald nachkommt. Ich habe noch mehr als 30 Berufsjahre vor mir – bis dahin sind die Bäume längst noch nicht groß. Und wenn der nächste Sturm kommt oder alles zu trocken ist? Dann müssen wir wieder von vorne anfangen – und es dauert noch länger, ehe hier wieder ein geschlossener Wald steht.“

- Tobias Helfenstein, Förster im Revier Waldböckelheim im Forstamt Soonwald


"Die tapferen Kids des Waldkinder-gartens Morlautern aus „ihrem“ Wald verbannen oder den Waldspielplatz „Fuchsbau“ am Vogelwoog sperren? Dass es einmal dazu kommen würde, hätte ich nie gedacht. Aber die Raupe des Eichenprozessions-spinners zwang uns dazu. Sie löst eine heftige allergische Reaktion aus, wenn man sie berührt. Bei den Hautärzten stand man deswegen Schlange.“

-Klaus Platz,Förster im Revier Morlautern im Forstamt Kaiserslautern


"In dieses Waldstück können wir normaler-weise nur mit speziellen Maschinen fahren. Sonst versinkt man hier einfach. Wir haben hier wirklich die nassesten Böden im ganzen Forstamt. Und doch sind uns im Jahr 2018 Bäume vertrocknet! Das habe ich noch nie erlebt. Wir wollen den Wald umgestalten, damit hier künftig neben den Fichten mehr Laubbäume wachsen. Deshalb haben wir junge Buchen gepflanzt. Ein Großteil von ihnen ist jedoch vertrocknet. Weil auch im Frühjahr 2019 das Wasser noch knapp war, pflanzen wir erst im Herbst – und hoffen, dass es die Bäume dann schaffen.“

- Erik Speitling,Revierförster im Forstamt Altenkirchen


"Jetzt also auch noch die Kiefern. Mehr als tausend Bäume musste ich fällen lassen. Hier macht sich überall die Mistel breit. Und jetzt kam auch noch ein Pilz dazu: der Diplodia. Wir wussten erst gar nicht, was das genau ist und haben Proben zu unserer Waldforschungsanstalt eingeschickt. Die Kiefern, die wir noch nicht gefällt haben, werden alle ganz braun, Triebe sterben ab. Wir mussten einen Kahlschlag von knapp zwei Hektar vornehmen. Die Bäume sind einfach zu schwach. Ihnen fehlt Wasser, da haben es Schädlinge leicht. So etwas habe ich in meinem Leben noch nie gesehen.“

- Armin Kupper, Förster im Revier Haßloch im Forstamt Bad Dürkheim


"Tausende Bäume in sechs Monaten. Das ist Wahnsinn. Da blutet mir das Herz. Erst pflegen wir den Wald Jahrzehnte lang, dann kommt der Borkenkäfer und der Sturm besorgt den Rest. In jede Fichte, in die wir schauen: Borkenkäfer, Borken- käfer, Borkenkäfer. Wir machen nichts anderes mehr, als vom Borkenkäfer befallene Bäume zu fällen oder vom Wind geworfenes Holz zu ernten. Ganze Hänge sind schon kahl. Welche Baumarten sollen wir nachpflanzen, die dieses extreme Klima noch überleben? Im letzten Jahr ist die Hälfte der Jungpflanzen vertrocknet.“

- Konny Ketzer, Forstwirt im Forstamt Boppard


"Die Gemeinde Schleid besitzt etwas weniger als 100 Hektar Wald. Einen großen Teil der Einnahmen der Gemeinde stammen aus diesem Wald, und hier besonders aus dem Verkauf von Fichtenholz. Durch Borkenkäfer- und Sturmschäden sinken unsere Einnahmen und die Ausgaben steigen. Das Anpflanzen neuer Wälder kostet viel Geld. Fast alle Bäume, die 2018 neu angepflanzt wurden, sind im Sommer vertrocknet. Das fehlende Geld führt dazu, dass wir manche Maßnahmen verschieben müssen, so zum Beispiel die Unterhaltung der Waldwege.“

- Stephan Grengs,Ortsbürgermeister von Schleid