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11. Sep 2020 18:35
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"Umstrittene US-Studie
Die Folgen des "Krieges gegen den Terror"

Stand: 11.09.2020 14:58 Uhr

Seit dem Aufruf von US-Präsident Bush zum "Krieg gegen den Terror" sind 37 Millionen Menschen wegen Konflikten mit US-Beteiligung geflohen, sagt ein Anthropologe. Doch an seiner Studie gibt es Kritik.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Weder mit qualitativen noch quantitativen Methoden könne die Lage von Kriegsflüchtlingen angemessen erfasst und vermittelt werden, schreibt der Anthropologieprofessor David Vine am Ende seiner Studie. Trotzdem hat er in dem Projekt "Die Kosten des Krieges" mit Studenten der Brown University im US-Bundesstaat Rode Island begonnen, verfügbare Daten auszuwerten. "Wir finden, es ist wichtig, Zahlen zu nennen, weil die meisten Menschen in den Vereinigten Staaten und auf der Welt keine Vorstellung haben von der Größe der Flüchtlingsbewegung, die diese Kriege ausgelöst haben", sagt er.

Nach verfügbaren internationalen Daten zählt Vine 37 Millionen Menschen, die in Folge der sogenannten Kriege gegen den Terror seit 2001 dauerhaft oder zwischenzeitlich nicht in ihrem Haus, ihrer Stadt, ihrem Dorf leben konnten. Gezählt werden auch all jene, die innerhalb ihres Landes auf der Flucht sind - und das ist die überwältigende Mehrheit.

watson.brown.edu/costsofwar/files/cow/imce/papers/2020/Displacement_Vine%20et%20al_Costs%20of%20War%202020%2009%2008.pdf

Kritik gegen Schuldzuweisung an die USA

Doch an der Zählung gibt es Kritik. Die Studie hat sich auf acht Konflikte konzentriert, in denen Soldaten des US-Militärs oder Mitarbeiter der Geheimdienste gekämpft haben - oder an denen sie anderweitig beteiligt waren, seit der frühere US-Präsident George W. Bush zum weltweiten Krieg gegen den Terror aufrief.

Er werde seine Vorstellung von der gemeinsamen Verpflichtung im Krieg gegen den Terror bald vorstellen, hatte Bush damals nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 angekündigt. Er werde jedes Land ermahnen, dass es mehr brauche als Sympathie und Worte. Keine Nation könne neutral bleiben, denn kein zivilisiertes Land könne sich sicher fühlen in einer Welt, die vom Terror bedroht ist.

Die Folge waren zum Beispiel die Kriege in Afghanistan und Irak. Die Studie der Brown-Universität umfasst aber auch die Folgen der CIA-Drohnenangriffe auf mutmaßliche Terroristen im Jemen, die das Land weiter destabilisiert haben, und die Rolle des US-Militärs im dort andauernden Bürgerkrieg.

Die Kritik richtet sich nun zu einem Teil gegen die Auswahl der Krisen: So sei der Konflikt in Syrien kein Krieg der Vereinigten Staaten, schreibt der politische Analyst und Syrienexperte Charles Lister. 7,1 Millionen Syrer seien nicht vor dem US-Militär geflohen. Die Darstellung sei falsch und nehme den brutalsten Diktator des 21.Jahrhunders, Baschar Al-Assad, in Schutz.

twitter.com/Charles_Lister/status/1303364453409452032

"Viele Akteure, die Verantwortung tragen"

Im Interview versucht der Wissenschaftler Vine die Kritik zu entkräften: "Wir behaupten nicht, die US-Regierung oder die Vereinigten Staaten als Ganzes seien allein verantwortlich für die Vertreibung von 37 Millionen Menschen", sagt er. "Wir sagen: Es gibt viele Akteure, Milizen und Regierungen, die an den Kriegen beteiligt sind und Verantwortung tragen."

Die Grundannahme der Forscher bleibt aber, dass die US-Strategie nach den Anschlägen vom 11.September mit dem Krieg gegen den Terror direkt oder indirekt zur Vertreibung von 37 Millionen Menschen beigetragen hat. Und das sei eine konservative Schätzung.

Vine schreibt auch, dass mehr als 25 Millionen Flüchtlinge an ihren ursprünglichen Ort mittlerweile zurückgekehrt sind - freiwillig oder unter Zwang. Das bedeute aber nicht, dass sie jetzt in Sicherheit leben oder in ihr ursprüngliches Heim zurückkehren konnten."
www.tagesschau.de/ausland/usa-krieg-gegen-terror-flucht-101.html